1.) Hühner
Ich wollt’ ich wär’ kein Huhn
- Leben und Sterben am Fließband -
Rund 40 Millionen Legehennen fristen in Deutschland ein trauriges Dasein. 73 Prozent von ihnen in Legebatterien, in denen ein Huhn weniger Platz hat als auf einem DIN A 4-Blatt. (Quelle: Statistisches Bundesamt). In der drangvollen Enge können die Hühner keine normale Hackordnung herstellen und fügen sich mit den Schnäbeln schwere Verletzungen zu. Um dies zu vermeiden, werden ihnen meist bereits kurz nach dem Schlüpfen die Schnabelspitzen abgeschnitten. Was eigentlich gesetzlich verboten ist, doch fast alle Geflügelproduzenten haben eine Ausnahmegenehmigung, wie Christian Rohde in der ARD- Sendereihe „Ware Tier“ berichtet. Die in diesem Beitrag gezeigten Bilder erinnern aufgrund ihrer Technisierung an Orwells 1984, sind aber leider keine Utopie, sondern Alltag bei deutschen Großproduzenten: Küken, die mit Hilfe einer Maschine, dem so genannten „Chick-Master“, auf die Welt kommen: In übereinander gestapelten Körben auf dem Fließband, ohne Mutterliebe und -wärme. Um dann vom Förderband weitertransportiert und rein maschinell von der Schale getrennt zu werden. Ohne Rücksicht auf Verluste werden sie dann, noch immer maschinell, zu je 100 „Stück“ pro Kiste aufeinander gestapelt. Zu ihrer Mutter haben diese Küken ihr ganzes Leben lang nie Kontakt. Wenn ihre Legeleistung nachlässt oder sie schlachtreif gemästet worden sind, wird ihnen die Kehle durchgeschnitten, nachdem sie zuvor kopfüber aufgehängt und im Elektrobad betäubt worden sind - natürlich ebenfalls am Fließband.
Auch die im April 2006 gefällte Entscheidung des Bundesrates für so genannte „Kleinvolieren“ wird die Lebensbedingungen der Legehennen nicht wesentlich verbessern. Die neuen Käfige sollen für 35 bis 50 Hennen ausgelegt werden. Pro Vogel sind 800 Quadratzentimeter Platz vorgesehen, in einer herkömmlichen Batterie sind es ca. 500 Quadratzentimeter. Zum Vergleich: Ein DINA 4 Blatt hat 630 Quadratzentimeter. Jedes Tier soll einen eigenen Futtertrog und eine eigene Sitzstange erhalten. Trotzdem: Die Grundbedürfnisse der Tiere wie Scharren, ein Staubbad nehmen oder das Aufbauen einer soziale Rangordnung können auch hier nicht oder kaum ausgelebt werden. Die Hühner stehen ihr Leben lang dicht gedrängt auf grobmaschigen Gittern, bekommen nie einen Hahn oder Tageslicht zu sehen. Auch bei der Bodenhaltung haben sie nicht viel mehr Raum.
Etwa 13 Prozent der deutschen Hühner leben in Freiland-Haltung, bei der sie neben dem Stall auch noch einen Auslauf zur Verfügung haben. Am vergleichsweise tierfreundlichsten ist die Bio-Haltung, die inzwischen bis zu acht Prozent ausmacht. Hier haben die Hühner mehr Platz als im Käfig, dürfen sich im Stall und im Auslauf frei bewegen, im Sand baden und auf der Stange sitzen. Ihre Schnäbel dürfen nicht gekürzt werden. Gentechnisch verändertes Futter und der vorbeugende Einsatz von Antibiotika sind verboten. Aber: Auch bei dieser Haltungsform werden die Hennen spätestens nach zwei Jahren, wenn ihre Legeleistung nachlässt, ausgemustert und kommen in den Kochtopf. Und die männlichen Küken der Legerassen werden in vielen Betrieben gleich nach der Geburt vergast oder bei lebendigem Leibe zum Mus zermahlen. 40 Millionen Küken pro Jahr kommen so brutal ums Leben. Wer dieses Leid nicht unterstützen will, sollte konsequent auf Eier verzichten!
Was Sie tun können:
Kaufen Sie keine Eier und auch keine Produkte, die Ei enthalten. Achten Sie bei jedem Einkauf auf die Zutaten-Liste: Oft finden sich Eier in Produkten, in denen man sie nie vermuten würde.
Fragen Sie im Restaurant, beim Bäcker oder Eisverkäufer gezielt nach Gerichten und Produkten, die ohne Eier hergestellt wurden.
Im Reformhaus, im Bioladen und in vielen Supermärkten finden Sie Kekse, die ohne Eier hergestellt werden.
Kochen und backen Sie ohne Eier - das geht leichter, als man denkt! Wenn nur ein oder zwei Eier in einem Teig enthalten sind, kann man sie oft einfach weglassen und dafür die Flüssigkeitsmenge etwas erhöhen. Außerdem gibt es im Reformhaus Ei-Ersatz-Pulver, das man mit Wasser verrühren und anstelle von Eiern als Bindemittel verwenden kann. (Nicht als Ersatz für hart gekochte oder Rühreier.) Man kann ein Ei beim Backen auch durch einen Esslöffel Sojamehl (Reformhaus) und zwei Esslöffel Wasser ersetzen. Und aus zerbröseltem Tofu lässt sich mit Salz, Pfeffer, etwas Paprika und anderen Gewürzen aber in der Pfanne eine schmackhafte Alternative zu Rührei herstellen.
Verschiedene Hersteller bieten bereits leckere vegane Alternativen zu Hähnchenfleisch in verschiedenen Varianten an: Als panierte Crossies, als Schnitzel oder als „chicken-pieces“. Erhältlich in Bioladen, Reformhaus, in gut sortierten Supermärkten oder im Vegan-Versand (www.veggie-life.de). Achtung: In einigen Reformhaus-Produkten ist wieder Ei-Eiweiß enthalten….
Online-Protest: Nein! zum Seehofer-Käfig unter www.tierrechte.de
- Gemeinsamer Protest der Verbände
Der Bundesverband hat in einer eigenen und in einer gemeinsamen Stellungnahme mit fünf anderen großen deutschen Tierschutzorganisationen deutlich seine Kritik an dem vorliegenden Richtlinien-Entwurf geäußert. Neben der geplanten Besatzdichte hat er u. a. auch das Ausklammern der Zuchtproblematik und das Fehlen von Regelungen zur Haltung von Elterntieren kritisiert. Es wäre hilfreich, wenn Sie dem EU-Verbraucherschutzkommissar Markos Kyprianou Ihren Unmut über den Richtlinien-Entwurf mitteilen und auf die Forderungen des wissenschaftlichen Ausschusses verweisen würden.
Weitere Informationen sowie die Stellungnahmen finden Sie im Internet unter: www.mag.tierrechte.de/20
Adresse für Ihr Beschwerdeschreiben:
EU-Verbraucherkommissar
Markos Kyprianou
Rue de la Loi 200
B -1049 Brüssel