. . . Thema: Jagd

 

 

Jagd: Die Lust am Töten

 

 

 

Mehr als fünf Millionen Wildtiere pro Jahr werden laut der Tierschutzorganisation PETA allein in der Bundesrepublik durch Jäger getötet. Und das, obwohl heute niemand mehr jagen muss, um satt zu werden, und sich fast 80 Prozent der Deutschen gegen das Hobby Jagd aussprechen. Dies ergab eine repräsentative Meinungsumfrage des EMNID-Instituts im Herbst 2003. Dem gegenüber steht eine Minderzahl von 341.903 Jagdschein-Inhabern (Saison 2004/5, Quelle: Deutscher Jagdschutz-Verband), die offensichtlich eine starke Lobby haben. 

 

Um Ihr blutiges Hobby zu verteidigen, argumentieren Jäger gerne damit, dass sie damit ja nur den Tierbestand regulieren. Täten sie dies nicht, würden sich Rotwild und andere Wildtiere so stark vermehren, dass sie nicht mehr genug Nahrung fänden und verhungern würden. Tatsächlich ist es jedoch so, dass der Bestand sich selbst regulieren würde, wenn die Jäger nicht auf verschiedene Art und Weise in die Natur eingriffen:

 

Zum einen werden Rehe, Wildschweine und Co. im Winter, wenn es wenig Nahrung gibt, extra gefüttert. Dadurch wird die natürliche Auslese verhindert und einer möglichen Überpopulation erst der Weg geebnet. Das Füttern widerspricht also dem angeblichen Ziel, eine übermäßige Zunahme des Bestands zu vermeiden.

 

Gleiches gilt für die Jagd auf „Beute-Konkurrenten“ wie den Fuchs: Würden diese Tiere nicht geschossen, würden auch sie dazu beitragen, die Anzahl der Wildtiere auf natürliche Art und Weise zu begrenzen. Zumal der Fuchs sich ganz im Sinne der natürlichen Auslese oft leichte Beute wie alte und kranke Tiere aussucht, und nicht das Tier mit dem schönsten Geweih. Als Rechtfertigung für die Fuchsjagd wird auch gerne das Argument benutzt, Füchse würden Tollwut übertragen und seien deshalb gefährlich. Wie die Tierrechtsorganisation PETA erklärt, ist es jedoch genau umgekehrt. Erst die Fuchsjagd fördert die Verbreitung von Tollwut! Durch die Bejagung vermehren sich die Tiere stärker, und der Nachwuchs muss im Herbst in weiter entfernte Gebiete wandern, um sich dort ein eigenes Revier zu suchen.

 

Bei der „Verteidigung“ ihres Reviers schrecken viele Jäger auch nicht davor zurück, Haustiere aus Korn zu nehmen: Hunderttausende Katzen und Hunde unter dem Generalverdacht der „Wilderei“ erschossen. Bei Katzen ist dies nach dem Gesetz bereits möglich, wenn sie sich mehr als 300 Meter vom nächsten Haus entfernt haben.

 

Auch die Jagd auch Robben findet - in einigen Ländern legal, in anderen illegal - immer noch statt. Hilflose Robbenbabys werden zu Tode geprügelt, oft wird ihnen sogar noch bei lebendigem Leib das Fell abgezogen, woraus dann später Pelzmäntel gemacht werden. Laut der Tierrechtsorganisation PETA beträgt die Anzahl der Robben in den nordamerikanischen Meeren nur noch etwa eine Million - zu Beginn des 20.Jahrhunderts waren es noch 18, 5 Millionen! Weitere Details unter www.peta.de

 

 

Weitere Infos zum Thema Jagd unter

Natur ohne Jagd e.V.

www.tatort-wald.de 

www.wir-fuechse.de

www.against-hunting.de

 

 

Was Sie tun können:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Schiessgeil bis der Arzt kommt

"Jagdtourismus"   

Halali-Reisen,  Entspannen mit Gewehr

Was soll's denn sein, ein Hirsch, ein Elch oder doch ein Bär?

Für spektakuläre Trophäen reisen deutsche Jäger in entlegenste Länder. Dabei hat der Ausgang selten was mit Glück zu tun.
Von Hans Gasser

 

Der Freiherr von Gemmingen-Hornberg wähnte sich vor dem Abschuss seines Lebens: Ein Hirsch mit einem Geweih, das aussah wie eine wuchernde Baumkrone. Und als er das Tier im September des vergangenen Jahres in Bulgarien zur Strecke brachte, war bald klar, dass es einen Weltrekord geben würde. 16 Kilogramm wog das Geweih, ein Jahrhunderthirsch, denn bereits Geweihe mit zehn Kilogramm gelten als kapitale Trophäen. In den Monaten danach mehrten sich jedoch die Gerüchte, Berufsjäger bekundeten, den Hirsch schon mal irgendwo gesehen zu haben, und schließlich annullierte der CIC (Internationaler Jagdrat zum Schutz des Wildes) den Weltrekord.

 

Ein Foto war aufgetaucht, das den kapitalen Hirsch quicklebendig zeigte und zwar in einem Gehege im österreichischen Braunau: Mit Kraftfutter gemästet und vom bulgarischen Jagdreiseveranstalter ein paar Wochen vor der Jagd in den Wald getrieben. Mehr als 20 000 Euro kostete allein die Trophäe - Anreise, Unterkunft und Jagdbegleitung nicht gerechnet. Es ist nicht unüblich, dem Jagdglück etwas nachzuhelfen, wie auch der Fall von Spaniens König Juan Carlos zeigt, der im Sommer in Russland einen zahmen, mit Wodka betäubten Bären erlegt haben soll.

 

Jagdglück programmiert

 

Jagdreisen sind ein lukratives Geschäft, denn die Klientel ist meist betucht, wünscht Komplettservice und ist bereit, dafür viel Geld auszugeben. 6,4 Millionen Jäger gibt es in der EU, in Norwegen und der Schweiz, etwa 20 Prozent davon, also 1,3 Millionen, fahren zum Jagen auch ins Ausland und geben dafür jährlich etwa 660 Millionen Euro aus. Zu diesem Schluss kommt eine umfassende Studie über den Jagdtourismus aus dem Jahr 2002, die von WWF und Weltnaturschutzunion herausgegeben wurde. 70 Prozent der deutschen Jäger ziehen demnach die Jagd auf Hirsche, Rehe und Wildschweine vor, meist in relativ nahen Ländern Ostmitteleuropas.

Polen und Ungarn seien die absolute Nummer Eins, sagt Kenneth Banke vom größten europäischen Jagdreiseveranstalter Diana aus Dänemark. Die Leute ziehe es dorthin, weil die Reviere viel größer und wildreicher seien als etwa in Deutschland. Die Jagd ist gut vorbereitet, das
Jagdglück so gut wie programmiert

Man kann in luxuriösen, zu Hotels umgebauten Jagdschlössern und Gutshöfen wohnen. "Eine Jagdreise ist immer auch ein bisschen wie Urlaub", sagt Banke. Insgesamt sei der Markt seit zehn Jahren um etwa 30 Prozent gewachsen. 5000 Reisen, den Großteil davon für ein bis drei Jäger, veranstaltet Diana jährlich. Neben den Hirsch- und Wildschweintouristen gibt es nach wie vor die klassischen Großwildjäger, die Bären in Russland, Löwen in Namibia oder Moschusochsen in Grönland schießen wollen. Jeder dritte deutsche Jagdtourist hat schon einmal in Afrika gejagt, und jeder fünfte hat bereits einmal große Fleischfresser erlegt. Laut Bundesamt für Naturschutz, das die Einfuhr von Jagdtrophäen gemäß dem Washingtoner Artenschutzabkommen (Cites) regelt und überwacht, wurden in den vergangenen zwei Jahren 102 Leopardenfelle, ebenso viele Wolfskulps, 57 Löwen- und 97 Braunbärentrophäen legal nach Deutschland eingeführt. Insider schätzen, dass es im deutschsprachigen Raum etwa 50.000 engagierte Auslandsjäger gibt, die regelmäßig ein- bis zweimal pro Jahr eine Jagdreise unternehmen. Etwa 100 deutsche Jagdreiseveranstalter bedienen sie, die meisten davon sind sehr kleine Unternehmen.

 

Nur die Trophäe zählt

Wer deren Internetseiten und Inserate in Jagdzeitschriften liest, dem wird klar: Es geht vor allem um die Trophäe. Geweihgewichte und Preise sind minutiös aufgelistet, es wird versprochen, dass man auch wirklich auf kasachische Steinböcke mit 110 Zentimeter Hornlänge und auf den "Lebenshirsch" trifft. Am Rande geht es in der Werbung auch um die schöne Landschaft, die Wildnis, das Erlebnis.
Angebote zur Kombination von Badeurlaub mit der Familie, etwa am Balaton in Ungarn inklusive Rotwildjagd, finden sich zwar, sind aber eher die Ausnahme. "In der Regel sieht der Jagdgast die Unterkunft als zweitrangig an, wichtig ist das Jagderlebnis und dass er bekommt, was wir ihm versprechen", sagt Josef Thoma, Geschäftsführer von Westfalia Jagdreisen, einem der größten Anbieter in Deutschland. Nach einem Einbruch des Jagdreisemarktes vor drei Jahren ziehe er nun wieder an, sagt Thoma.

 

Seitdem verzeichne sein Unternehmen Zuwächse von 20 bis 30 Prozent. Besonders Jagden auf Steinböcke in Kasachstan und Kirgisien verkauften sich gut. 2000 bis 4000 Euro geben seine Gäste im Schnitt aus, natürlich kann es manchmal viel mehr sein. Wenn es etwa auf das Marco-Polo-Argali, ein Bergschaf mit gewaltigen Hörnern im Pamirgebirge in Tadschikistan, geht, so kostet das 27.000 US-Dollar, Flug extra. Jagdreiseveranstalter leben vor allem von den zehn bis 15 Prozent Provision aus dem an den jeweiligen Staat zu zahlenden Trophäenpreis.

 

Kurzsichtige Jägerschaft

Was aber mit den zum Teil sehr hohen Gebühren geschieht, lässt sich kaum nachvollziehen. Roland Melisch, Artenschutzbeauftragter des WWF, beklagt die mangelnde Transparenz bei der Verwendung der Trophäengelder. In Deutschland sei festgelegt, dass Jagdabgaben zur Erfassung von Wildbeständen und zum Naturschutz verwendet werden müssten, im Ausland aber sei die deutsche Jägerschaft diesbezüglich "sehr kurzsichtig".

"Die professionellen Unternehmen im Jagdsektor sind nicht unbedingt daran interessiert, Transparenz zu schaffen", sagt auch Kai-Uwe Wollscheid, Geschäftsführer des CIC. Korruption in Entwicklungsländern sei vielfach ein Problem. Zwar gebe es etwa in Namibia und Südafrika viele positive Beispiele. Trophäenjagd habe dort die Wildbestände wieder stark anwachsen lassen, weil die Einheimischen finanziell profitieren. Das Wild wird gehegt, Bestände werden erhoben, Abschussquoten festgelegt. In armen Gegenden könnten so relativ wenige Jagdtouristen relativ viel Gewinn bringen.
Dennoch gebe es weiterhin "sehr viele schwarze Schafe", so Wollscheid. Nicht der "große Knochen" müsse bei Jagdreisen im Vordergrund stehen, sondern das "umfassende touristische Produkt", das Erlebnis. Ein frommer Wunsch, denn ein vom CIC gefordertes Zertifizierungssystems für nachhaltige Jagdreisen kommt seit Jahren nicht voran.

(SZ vom 26.10.2006)

 

 


 

 

 

Interview der Woche:   Heiliger Hubertus!

 

Artikel vom 3. November 2006 in Sachsen

Am 3. November ist Hubertustag. Vielerorts werden in diesem Zusammenhang Jagdgottesdienste und Hubertusmessen gefeiert.

Nach der Sicht des Tierschutzes fragte Christine Reuther den Brandiser Pfarrer Ulrich Seidel.

 

Waren Sie schon bei einer Hubertusmesse?
Seidel: Im Fernsehen – wenn das zählt. Aber ich war dabei, wie sie einen Hirsch erschossen haben. Jäger sagen zwar nicht »erschossen«, sondern »erlegt«, es fließt auch kein Blut, sondern »Schweiß«. Man denkt gar nicht, dass wir uns in Reichweite des 5. Gebotes befinden! Ich war öfter in »Jagdstuben«: Umgeben von Geweihen, Zähnen und Tiermumien habe ich mich gefragt, was das mit Freude an der Natur zu tun hat. Jagdzimmer sind Mausoleen, Stätten des Todes, die tief in die Jägerseele blicken lassen.

Ist die Jagd überhaupt ein Anlass, einen Gottesdienst zu feiern?
Seidel: Ein klares Nein! Die Jagd ist ein höchst umstrittenes Hobby. Soll dieser Waffengang, der Angst und Schrecken in Wald und Flur verbreitet, Anlass sein, Gott ins Spiel zu bringen? Was ist Großes dabei, auf Tiere zu schießen, die völlig wehrlos sind? Hier brechen tief liegende männliche Leidenschaften aus Urzeiten durch. Ein Gottesdienst dazu erscheint mir blasphemisch.

Warum feiern evangelische Gemeinden eine Messe für einen Heiligen?
Seidel: Der Heilige ist nur ein Feigenblatt. Oft jedoch wird die Hubertuslegende in der Messe ohne Pointe gelesen – wie absichtsvoll. Der Heilige hat jedoch, nachdem Christus ihm als weißer Hirsch erschien, der Jagd und dem Töten völlig abgeschworen. Wenn es so wäre, dass nach der Hubertusmesse einige der versammelten Jäger ihrer blutigen Passion entsagten, hätte die Messe auch diesen Namen verdient.

Hubertusmessen werden auch als »Erntedank der Jäger« gesehen. Was sagen Sie dazu?
Seidel: Das ist Sprachvernebelung. Gehen Sie auf eine Jagdmesse und sehen sich die Masse von Trophäen an. Da sind die Gründe für die Jagd! Die deutsche Liste der jagdbaren Arten ist eine der längsten in Europa. Inzwischen sind auch Tiere dabei, die auf der Roten Liste stehen, so der Feldhase. Aber es werden pro Jahr über 400 000 Mümmelmänner abgeknallt. Wie viele Tiere werden nur angeschossen und verrecken irgendwo? Schöner Erntedank! Gegen die Ansiedlung der Wölfe kommt der härteste Widerstand von den Jägern, warum wohl? Ja, das unvergleichliche »Jägervergnügen« … Die Kirche sollte sich offiziell von solchen Veranstaltungen distanzieren. Aber ich fürchte, dazu fehlt ihr der Mut.

 

Artikel gedruckt von: .: DER SONNTAG [Sachsen] :.: http://www.sonntag-sachsen.de

Webadresse: http://www.sonntag-sachsen.de/2006/11/interview-der-woche-heiliger-hubertus/